80 Jahre Wiedergründung der Spielvereinigung

2025-11-17 12:29:00 / Allgemein / Kommentare 0

Gut 80 Jahre ist es jetzt her, dass die Altstadt nach zwölfeinhalb Jahren Verbot und Auflösung wieder zum Leben erweckt wurde. Am 4. November versammelten sich ein paar Duzend Alt- und Neumitglieder, um den 1933 durch die Nationalsozialisten verbotenen und aufgelösten Verein wiederzugründen, nachdem einen Tag vorher von den amerikanischen Behörden die Erlaubnis zur Vereins(wieder)gründung.erteilt wurde.

Die damalige Freie Spielvereinigung Bayreuth-Altstadt stand nach der Machtergreifung im Fokus der Nationalsozialisten, weil sie als Mitglied das Arbeiter Turn- und Sportbundes der SPD nahe stand. Es folgte nur 2 Monate nach dem bis dahin größten Erfolg der Vereinsgeschichte, der Teilnahme am Kreisfinale des ATSB (0:3 Niederlage gegen Gostenhof Nürnberg im Stadion am Dutzenteich Nürnberg) das Verbot der Vereinstätigkeit, die Auflösung und Löschung des Vereins aus dem Vereinsregister.


Das erste Mannschaftsfoto nach dem Krieg mit weißen Trikots und roten Hosen (koloriert)

Nach der Wiedergründung gab es die Aufspaltung in verschiedene Verbände nicht mehr und so kam es erstmals auch zu Lokalderbys zwischen der SpVgg und dem 1. FC oder dem VfB Bayreuth, die zuvor dem dem bürgerlichen Lager nahestenden DFB bzw. ab 1933 dem Fachamt Fußball zugeordnet waren. Bereits am 18.11.1945 kam es zum ersten Aufeinandertreffen der Altstädter mit dem damaligen Bayreuther Aushängeschild im Fußball, dem 1. FC Bayreuth, der vor dem Krieg in der Bezirksliga Bayern bzw. der Gauliga auf namhafte Gegner wie Bayern und 1860 München, sowie die mehrfachen deutschen Meister aus Franken, die SpVgg Fürth sowie den 1.FC Nürnberg traf. Den ersten Kräftevergleich gewann die noch als Freie Spielvereinigung firmierende Altstadt vor 300 Zuschauern auf der Jakobshöhe mit 3:1. Torschützen für die mit "SVB" abgekürzte Altstadt waren Hösch (2) und Bubmann.
 

SVB, ist das nicht der Schwimmverein?
 

Diese Frage ist berechtigt. Tatsächlich wird der Schwimmverein Bayreuth, der übrigens ebenso wie die Fußballabteilung Bayreuth-Altstadt (als noch nicht eigentständiger Verein, sondern als Unterabteilung des TuSpo Bayreuth) im Jahr 1921 gegründet wurde, mit diesen drei Buchstaben abgekürzt. Jedoch zeugen Ankündigungsplakate, die noch mindestens bis ins Jahr 1954 verwendet wurden, sowie Anstecknadeln von der Existenz des ersten Vereinswappens der Spielvereinigung mit der Abkürzung SVB. Diese findet sich auch in zahlreichen Zeitungsartikeln über Spiele der Altstadt wieder.


 

Gelb-Schwarz oder Weiß-Rot?

Das erste Mannschaftsfoto nach der Wiedergründung war zwar schwarzweiß, doch ist überliefert, dass die ersten Trikots der Spielvereinigung weiß waren und die Hosen dazu rot. Warum das? Das Equipment für Fußballmannschaften war ein halbes Jahr nach Beendigung des zweiten Weltkriegs natürlich Mangelware. Trikots der Freien Spielvereinigung gab es nicht mehr, immerhin war der Verein mehr als zwölf Jahre nicht mehr aktiv. Allerdings waren in der Regel weiße Hemden verfügbar, so dass jeder Spieler zumindest schon ein Trikot für sich organisieren konnte. Was nicht verfügbar war, waren einheitliche Hosen. Über die amerikanische Verwaltung wurde dem jetzt wiedergegründeten Verein Stoff zugewiesen, der zu Fußballhosen verarbeitet wurde. Und dieser Stoff stammt der Geschichte nach von Gegenständen, die nach dem Untergang des dritten Reiches zwar noch im Überfluss vorhanden waren aber in der Form nicht mehr benötigt wurden, nämlich von Hakenkreuzfahnen! Trotz dieses eher ungewohnten Outfits wurden die Vereinsfarben wie zuvor als Schwarz und Gelb eingetragen.



Was wurde aus der Freien Spielvereinigung?
 

Ursprünglich war die Wiedergründung als Freie Spielvereinigung vorgesehen, so wie der Verein vor dem Verbot hieß. Bei der ersten Gründung konnte der einfachere Name "Spielvereinigung" nicht verwendet werden, weil im Bayreuther Vereinsregister bereits seit 1912 eine Spielvereinigung Bayreuth eingetragen war, die auch noch in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre zumindest auf dem Papier existierte. Nach dem Krieg war der Name frei und so wurde durch Abstimmung im Sportausschuss beschlossen, dass der Name künftig nur noch Spielvereinigung Bayreuth lauten soll.
 

Das Jubiläumstrikot zur Wiedergründung

Natürlich ist das Jubiläumstrikot keine originalgetreue Nachbildung. Es ist ein Symbol für die Wiedergründung im November 1945, ist aber an die aktuellen Erfordernisse des Regionalliga Spielbetriebs angepasst, da ursprünglich geplant war anlässlich des 80sten Jahrestages der Wiedergründung ein Punktspiel mit weißen Trikots und roten Hosen zu bestreiten. Da jedoch das Spielen in einem ungewohnten Outfit die Konzentration hätte abgelenkt sein können wurde jedoch darauf verzichtet und die Mannschaft um Kapitän Nico Andermatt lief im Spiel gegen die SpVgg Ansbach nur mit weißen Aufwärmshirts mit dem ursprünglichen Wappen und dem appliziertem Mannschaftsbild von 1945 auf.
 

Erstes Altstadt WappenDas Wappen ist die größte Auffälligkeit des Trikots. Schließlich stehen nicht die gewohnten magischen fünf Buchstaben SPVGG auf der Brust, sondern die ursprünglich gängige Abkürzung SVB (mit einem Ball auf dem V). Dieses Wappen konnte jedoch bis heute auf keinem Fußballtrikot der Altstadt nachgewiesen werden. Es gibt aber ein historisches Bild mit Handball- oder Leichtathletiktrikots auf denen dieses Wappen aufgestickt oder genäht war. Handball und Leichtathletik waren in den 40er und 50er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts Abteilungen der Spielvereinigung.



 

Ton in Ton Werbung gab es natürlich 1945 noch nicht, auch nicht schwarz auf weiß. Vielmehr wurde Trikotwerbung vom DFB erst 1973 nach Intervention des Unternehmers Günter Mast (Jägermeister) zugelassen. Pionier der Trikotwerbung in Deutschland war jedoch nicht Eintracht Braunschweig mit Jägermeister, sondern der VfR Wormatia Worms, der 1967 in der Regionalliga Südwest kurzzeitig mit der Werbung "CAT" für den Baumaschinenhersteller Caterpillar aufliel, bevor dies vom DFB untersagt wurde. Die Altstadt hatte den ersten Trikotsponsor im Jahr 1974. Erstmals im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg am 28.8.1974 trugen die Altstädter Trikots mit dem Logo des Kulmbacher Pharma- und Kosmetikherstellers Dressin.


 

Vielleicht für manchen überraschend gab es bis zum Jahr 1948 im deutschen Fußball noch keine Nummern auf den Spielertrikots. Während in England, dem Mutterland des Fußballs, erstmals Trikots mit Rückennummern am 25.8.1928 getragen wurden dauerte es in Deutschland bis zur Saison 1948/49, dass Rückennummern eingeführt wurden. Diese waren allerdings noch nicht verpflichtend, denn der damalige Rekordmeister 1. FC Nürnberg übernahm diese Regelung erst 1951.
 

Natürlich gab es den Spielernamen auf dem Trikot 1945 auch noch nicht. Anfang der 1970er Jahre trugen die Altstädter Spieler erstmals den Vereinsnamen über der Rückennummer. Dies war jedoch nicht die Regel. Viele Trikots danach hatten nur die Nummer auf der Rückseite, manchmal ergänzt durch Bayreuth oder den kompletten Vereinsnamen.  Erst mit Einführung der fest einem Spieler zugeordneten Trikotnummern wurden auch die Spielernamen salonfähig. In der Bundsliga wurde der Aufdruck des Spielernamens in der Saison 1995/96 eingeführt. Bei der Altstadt dauerte es bis zur Saison 2005/06 in der damaligen (drittklassigen) Regionalliga, dass der Spielername mit auf das Trikot kam. Seit dem Aufstieg in die viertklassige Regionalliga im Jahr 2014 ist der Spielername auch bei der Altstadt fester Bestandteil des Trikots.


Teile der Mannschaft 25/26 vor dem historische Haus mit der Gaststätte Jakobshöhe und den Umkleidekabinen

Das Jubiläumstrikot im Onlineshop


 


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